Das Bild zeigt Eindrücke von der Veranstaltung.
Bildrechte: Kurdische Gemeinde Deutschland
Am 4. und 5. Oktober 2025 kamen in Mülheim an der Ruhr über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des Projekts „Und was sag ich dann? Über Antisemitismus sprechen“ zusammen, um sich über Erfahrungen, Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus auszutauschen. Die Veranstaltung wurde von der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD) organisiert und setzte ein wichtiges Zeichen für die Auseinandersetzung mit Antisemitismus innerhalb migrantischer Communities.
Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Sylvia Löhrmann, eröffnete die Tagung mit einem Grußwort. Darin würdigte sie ausdrücklich das Engagement der KGD und betonte die besondere Bedeutung, wenn sich migrantische Communities aktiv mit Antisemitismus auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Gerade hierin liege eine besondere Chance, Zugänge und Dialogräume innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu schaffen und nachhaltige Sensibilisierung zu ermöglichen.
Zugleich hob die Beauftragte hervor, dass eigene Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung, Flucht und gesellschaftlicher Benachteiligung häufig eine besondere Empathie für andere Betroffene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit schaffen können. Gerade die kurdische Gemeinschaft bringe vielfach eigene Erfahrungen mit Diskriminierung und Selbstorganisation mit. Wer selbst Ausgrenzung erlebt habe, wisse um die Bedeutung von Solidarität, Haltung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Diese Erfahrungen könnten eine wichtige Ressource im gemeinsamen Einsatz gegen Antisemitismus und andere Formen menschenfeindlicher Ideologien darstellen.
„Der Titel Ihrer Tagung trifft den Kern. Haltung entscheidet sich nicht im Grundsatzpapier, sondern im Moment. Dass Sie diese Tagung auf den Weg gebracht haben, zeugt von Mut und Verantwortung.“ Dass die KGD Verantwortung übernehme, habe Strahlkraft weit über die eigene Community hinaus und sende ein wichtiges Signal für gesellschaftliche Solidarität.
Mit dem Projekt verfolgt die Kurdische Gemeinde Deutschland das Ziel, nachhaltige antisemitismuskritische Strukturen aufzubauen, Betroffene zu unterstützen und konkrete Hilfestellungen im Umgang mit antisemitischen Vorfällen zu entwickeln. Geplant ist unter anderem die Etablierung einer Anlaufstelle für Beratung und Intervention sowie die Entwicklung eines Interventionsleitfadens für den Alltag. Die Tagung machte deutlich, dass dieses Engagement weit über symbolische Gesten hinausgeht und einen wichtigen Beitrag zur Stärkung demokratischer Verantwortung und gesellschaftlicher Solidarität leistet.
Inhaltlich beschäftigte sich die Veranstaltung insbesondere mit israelbezogenem Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 sowie mit jüdischen Perspektiven auf die aktuellen Entwicklungen. Petra Hemming (Nir Oz e. V.) berichtete eindrücklich über die Solidaritätspartnerschaft mit dem Kibbuz Nir Oz, aus dem zahlreiche Menschen ermordet oder entführt wurden. Jörg Rensmann von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) NRW informierte über die Dokumentation antisemitischer Vorfälle und die Herausforderungen einer zivilgesellschaftlichen Meldestelle bei der Erfassung solcher Vorfälle.
Weitere Beiträge beleuchteten die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus, antikurdischer Rassismus und Verschwörungsideologien im Nahen Osten. In intensiven Diskussionen tauschten sich die Teilnehmenden über Möglichkeiten der Antisemitismusbekämpfung, Präventionsarbeit und Solidarität mit jüdischem Leben aus. Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmenden als lebendig, offen und ermutigend wahrgenommen und verdeutlichte die große Bedeutung zivilgesellschaftlicher Bündnisse im gemeinsamen Einsatz gegen Antisemitismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.